Presse

ORF Salzburg Heute vom 08.02.2015

Kronenzeitung vom 06.12.2014

2014-12-06 11.08.39


Ein anderer Blick auf Weihnachten

Ganz besondere Kunstwerke sind bis Anfang Jänner im Restaurant
Brandtners Paradoxon zu sehen. Sie zeigen, wie autistische Kinder
Weihnachten sehen. Zur Vernissage anlässlich der „Sporer
Punschroas“ kamen 300 Gäste ins Lokal und spendeten mehr als
3000 Euro für den Verein „Meine Anderswelt“, der sich für autistische
Kinder einsetzt. Von den zwölf Bildern wurden bisher drei
verkauft. Der Erlös kommt dem Verein zugute. Im Bild: Stefan

Brandtner, Michael Sporer, Michael Eichinger, Harald Brengel

(Meine Anderswelt).Mehr Info: WWW.MEINEANDERSWELT.AT BILD: SN/KOLARIK


 

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„Aus der Not heraus“

 Quelle:http://www.meinbezirk.at/epaper/bezirksblatt-flachgau-nord-ausgabe-462014-e18028.html
Das 38 Jahre alte Ruhe ausstrahlende Therapiepferd „Blümchen“, Trainerin Katharina Gruber und Julian.

Sabine und Harald Brengel stießen mit ihrem autistischen Sohn auf viele Hindernisse. Also gründeten sie einen Selbsthilfe-Verein.

HALLWANG (fer). „Nach jahrelangen bisher ergebnislosen Untersuchungen haben uns die Ärzte nun vor zweieinhalb Jahren mitgeteilt, dass unser heute achtjähriger Sohn Julian ein sogenannter Autist mit Asperger Syndrom ist. Da stehst du da und weißt nicht mehr weiter“, erzählt Sabine Brengel. Sie und ihr Mann Harald fühlten sich rasch allein gelassen von den betreuenden Ärzten. Es reichte scheinbar nicht, dass nur die Diagnosemöglichkeiten unzureichend waren. Auch bei den Trainings- und Förderungsmöglichkeiten von autistischen Kindern erzielten die besorgten Eltern kaum bis keinerlei Erfolge. „Die richtigen Therapien sind aber beim Autismus extrem wichtig. Diese Kinder sind hochintelligent, aber speziell. Nur mit der richtigen Therapie und Unterrichtsform können diese Kinder gefördert werden“, erzählt die Hallwangerin. Die Brengels haben aus dieser Not heraus einen Verein gegründet: „Meine Anderswelt“ soll als Anlaufstelle für alle betroffenen Eltern dienen zum Informationsaustausch, aber auch zur gemeinsamen Nützung verschiedener Therapiemöglichkeiten, die durch den Verein geschaffen wurden. Ein Beispiel dafür ist die „Manera Ranch“ in Hallwang. Katharina Gruber, die den Hof betreibt und selbst ein Kind mit Down-Syndrom hat, leitet dort die pferdegestützte Therapie: Kinder lernen durch die Pferde sich und andere zu spüren, sie wahrzunehmen. „Der Julian hat sich am Anfang gar nicht hingetraut zu den Pferden,“ berichtet Sabine Brengel. „Doch jetzt freut er sich schon immer auf seine Therapieeinheit und kann es gar nicht erwarten, die Tiere zu berühren, sie an der Leine zu führen.“
Die Gemeinde Hallwang unterstützt den Verein dadurch, dass sie den Gemeindesaal für Beratungsgespräche und Workshops zur Verfügung stellt.
Informationen zum Verein „Meine Anderswelt“ im Internet unter www.meineanderswelt.at.

Zur Sache:
Als Asperger-Syndrom wird eine tiefgreifende Entwicklungsstörung innerhalb des Autismusspektrums bezeichnet, die vor allem durch Schwächen in den Bereichen der sozialen Interaktion und Kommunikation gekennzeichnet ist sowie von eingeschränkten und stereotypen Aktivitäten und Interessen bestimmt wird. Da ihre Intelligenz in den meisten Fällen normal ausgeprägt ist, werden sie von ihrer Umwelt nicht als Autisten, sondern als wunderlich wahrgenommen. Das Asperger-Syndrom gilt als angeboren und nicht heilbar.


Autismus und politische Ignoranz

7. November 2010, 19:27 Quelle: Der Standard.at

Kindermediziner lenken den Blick der Öffentlichkeit anlässlich des jüngsten Konflikts um ein von der Delogierung bedrohtes autistischen Kind in Wien auf ein landesweit ungelöstes Versorgungsproblem
Frühkindlicher Autismus ist ein Sammelbegriff für Menschen mit verschiedenen, oft schwer wiegenden Entwicklungsproblemen, die unbehandelt zu schwerer geistiger und sozialer Behinderung führt. Autismus ist häufig, 0,4-1,2 Prozent er Menschen sind betroffen.

Autismus ist zwar nicht heilbar, aber mit entsprechender Behandlung in den meisten Fällen sehr gut besserbar. In Österreich, einem der reichsten Länder der Erde, gibt es aber für diese Kinder nicht die entsprechenden Therapieeinrichtungen. Verantwortlich ist die österreichische Gesundheitspolitik, die autistischen Kindern die notwendige Behandlung verwehrt.

Bei entsprechender Behandlung mit strukturierter Therapie (ABA oder TEACCH) über zwei bis drei Jahre können zwei Drittel dieser Kinder in das normale Schulsystem integriert werden. Die übrigen Kinder können zumindest so weit gebessert werden, dass sie nicht bei jeder kleinsten Kleinigkeit verzweifeln und sich im Sturm ihrer Gefühle nicht mehr auskennen – wie der jetzt von der Delogierung bedrohte Bub.

Warum bekommen autistische Kinder in Österreich nicht die notwendige Behandlung?

Eine kürzlich präsentierte Studie hat bestätigt, dass es für autistische Kinder in ganz Österreich keine auch nur annähernd dem internationalen Standard entsprechende Therapieeinrichtung für diese Kinder gibt – obwohl Österreich die UN- Behindertenkonvention und die Kinderrechtskonvention unterzeichnet hat, nach der behinderte Menschen ein Recht auf eine dem internationalen Standard entsprechende Therapie haben; obwohl Nichttherapieren 20-mal teurer ist; und obwohl zwei Österreicher (Kanner und Asperger) schon in den 40erJahren des letzten Jahrhunderts die wesentlichen Probleme autistischer Kinder erforscht haben.

Weil die Krankenkassen Angst haben, „ihr“ Geld für die notwendigen Therapien auszugeben, weil die Behinderteneinrichtungen, in denen dann die nicht behandelten Menschen geparkt und vor der Öffentlichkeit verborgen werden, aus einem anderen Topf finanziert werden, weil für österreichische Politiker langfristige Konzepte nicht wahlrelevant sind, weil kranke Kinder keine Lobby haben, weil die Eltern schuld sind, dass sie solche Kinder haben, weil wir das Geld lieber in schönere Projekte wie Autobahnen und Eisenbahntunnel stecken oder marode Banken stützen, weil es ja bisher auch so gegangen ist, und weil wir ohnehin das beste Gesundheitssystem der Welt haben, und weil die Gemeinde Wien ohnehin schauen wird, dass die Familie schon irgendwo unterkommt und weil dann eh alles in Ordnung ist.

Das Problem sind nicht die bösen Nachbarn, denen das Geschrei auf die Nerven geht, das Problem ist nicht die ohnehin unendlich bemühte Familie (warum kriegen „die“ auch solche Kinder?), das Problem ist nicht Wiener Wohnen, das sich bemüht hat, das Problem sind Politiker, die jene verteufeln, die solche Missstände aufzeigen, die wegschauen, so lange es geht, die täglich von Bittstellern, die für ihre Sache kämpfen, belästigt werden, sodass sie den Überblick dafür verloren haben, was wirklich notwendig, was menschlich, gut und vernünftig ist, die ständig Angst haben, dass Krankenfürsorge und soziale Wohlfahrt missbraucht wird, und dass die im Gesundheitsbereich Tätigen, die ohnehin viel zu viel verdienen, nicht auf Kosten der Allgemeinheit zu reich werden.

Im konservativen Bundesstaat Kalifornien haben die konservativen Abgeordneten das Recht autistischer Kinder auf adäquate Behandlung durchgesetzt. Dort werden autistische Kinder nach allen Regeln der Kunst behandelt – weil diese Abgeordneten rechnen können und weil es sich Kalifornien nicht leisten kann, für die Folgen nicht adäquater Therapie ein Leben lang aufzukommen. (Sonja Gobara, Christian Norbert Popow, Reinhold Kerbl, Lilly Damm, DER STANDARD; Printausgabe, 8.11.2010)
Sonja Gobara, Primaria des Ambulatoriums Sonnenschein in St. Pölten, Christian Norbert Popow, Univ.-Prof an der Klinik für Kinder- und Jugendpsychiatrie in Wien, Primarius Reinhold Kerbl, Sprecher und Lilly Damm, stellv. Sprecherin für die Plattform Politische Kindermedizin (www.polkm.org)

 


Autisten und Arbeit: Kein Mensch ist eine Insel

03.03.2012 | 18:05 |  von SIOBHÁN gEETS (Die Presse)

Viele Autisten tun sich im modernen Arbeitsleben schwer. Dafür arbeiten sie genauer und fehlerfreier als andere. Eine spezielle Beraterfirma vermittelt Betroffene jetzt auch in Österreich.
Papierschiffchen                                  Symbolbild / Bild: (c) Www.BilderBox.com

Manchmal merkt man es den Kindern nicht auf den ersten Blick an. Und doch sind sie anders: Sie haben ihre eigenen Rituale, ziehen sich häufig zurück, wirken überfordert oder werden verhaltensauffällig. Eine Diagnose erfolgt oft spät, etwa nach dem Eintritt in die Schule. Thorkil Sonnes Sohn war drei Jahre alt. Lars habe Autismus, sagten die Ärzte. Autisten haben Schwierigkeiten, mit der Außenwelt zu kommunizieren und sozial zu interagieren. Weil es Lars immer schwerfallen würde, sich in andere Menschen hineinzufühlen, sagten die Ärzte, würde er ein isoliertes Leben führen. Und wohl auch nie einen normalen Job finden.

Ernährung bei Schluckstörungen
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Kurz, nachdem feststand, dass sein Sohn autistisch ist, beschloss Sonne, vorausschauend zu handeln. Er gründete in Dänemark die Beraterfirma Specialisterne, die Autisten mit speziellen Begabungen an Firmen vermittelt. So können ihre sogenannten „Inselbegabungen“ genutzt werden. Mittlerweile gibt es Specialisterne in vielen Ländern Europas – und seit Kurzem auch in Österreich.

Die Idee, Specialisterne nach Österreich zu holen, hatte Stephan Dorfmeister. Im Herbst 2011 beschloss der Unternehmensberater, sich sozial zu engagieren. In der dänischen NGO fand er ein passendes Konzept. „In Österreich wird mit dem Thema Autismus ganz anders umgegangen als etwa in Dänemark. Dort sind geistige Behinderungen eine anerkannte Thematik.“ Bis zur Pflichtschule laufe das auch bei uns ganz gut, da gäbe es Möglichkeiten der Betreuung. „Aber mit 15 hört das auf, da gibt es gar nichts mehr.“

Die Liebe zur Monotonie. Deshalb fielen viele Autisten nach der Schule in ein schwarzes Loch. „Natürlich sind nicht alle Autisten hochintelligent“, sagt Dorfmeister. „Aber manche sind in vielen Dingen einfach besser als wir.“ Sie können sich besser konzentrieren, sind sehr genau, machen weniger Fehler. Autisten mögen Strukturen und wiederholte Abläufe, monotone Arbeitsprozesse sind für sie weniger belastend – Begabungen, die in der Telekommunikations- und IT-Branche eingesetzt werden können.

Autisten sind gut darin, Muster zu erkennen. Sonnes Sohn Lars kann Details einer Landkarte aus dem Gedächtnis originalgetreu nachzeichnen. „In der Beratungsleistung konzentrieren wir uns genau auf diese Begabungen“, sagt Dorfmeister. Auf dem normalen Arbeitsmarkt einen Job zu finden, sei für Autisten schwer. „Vorstellungsgespräche können nur im Fiasko enden“, sagt Dorfmeister. Heute gehe es vermehrt darum, teamfähig zu sein, kommunikativ, flexibel und dynamisch – all das sind Autisten nicht. Sie brauchen klare Anweisungen und strukturierte Arbeitsschritte. „Autisten verstehen weder Ironie noch Zynismus, keine unterschwelligen Botschaften.“

Dorfmeister erzählt von Anton, einem Mann mit Asperger-Syndrom, einer speziellen Form von Autismus. Anton arbeitete lange als Wirtschaftsanalyst in London. In einer neuen Position hätte er in Kontakt mit Kunden treten müssen. Das schaffte Anton nicht, er verlor seinen Job. Zurück in Österreich scheiterte er an Vorstellungsgesprächen. „Autisten fehlt die Fähigkeit, sich in andere hineinzufühlen und hineinzudenken“, erklärt Carolin Steidl von der Autismushilfe Österreich. Auch schaffen sie es nicht, intuitiv die Regeln der Höflichkeit einzuhalten: Blickkontakt herstellen, grüßen, freundlich lächeln.

„Viele Autisten sind viel zu ehrlich“, sagt Dorfmeister. „Sie sagen etwa zum Chef: Das ist falsch, das kann man so nicht machen.“ Dazu kommt noch, dass Autisten Außenreizen ungeschützt ausgesetzt sind. Diese Flut von Sinneseindrücken führt oft zu unverständlichen Verhaltensweisen. „Deshalb darf es am Arbeitsplatz auch keine Störungen geben, es muss ruhig sein“, sagt Steidl. Dessen ist sich Dorfmeister bewusst. Unternehmen, die Autisten beschäftigen, bräuchten daher unbedingt einen Mitarbeiter aus dem Sozialkompetenz-Bereich, der darauf achtet, wie es ihnen im Unternehmen geht.

Der faktor.c der Bildungswerkstätte WUK betreut seit einigen Jahren unter anderem junge Autisten beim Einstieg ins Berufsleben. Christa Franek begleitet die Jugendlichen und spricht mit Firmen, um Missverständnissen vorzubeugen: „Man muss den Leuten erklären, dass sie nicht böse sein sollen, wenn der neue Mitarbeiter nicht mit ihnen zu Mittag essen will.“ Autisten empfänden den Umgang mit Menschen oft als Irritation. „Sie brauchen Menschen, die für sie übersetzen, damit sie außerhalb ihrer Komfortzone nicht versagen“, so Dorfmeister.

Erste Partner. In Österreich befindet sich Specialisterne noch im Aufbau. Im Moment werden lokale Partner gesucht. Dorfmeister plant, im Herbst die ersten sechs bis acht Personen in Betriebe zu schicken. Die Firma Baumax und die Wiener Städtische haben bereits zugesagt. Damit die Menschen im Arbeitsklima zurechtkommen, sollen sie für mehrere Monate ein Ausbildungsprogramm durchlaufen, bevor sie in den Betrieben anfangen. Im Idealfall sollen dann 20 bis 30 Prozent von den Firmen übernommen werden.

Lars Sonne ist heute 15 Jahre alt und geht noch in die Schule. Wenn alles gut geht, wird auch er in ein bis zwei Jahren das Trainingsprogramm der Specialisterne durchlaufen. Und danach ein normales Leben führen. Inklusive Arbeit.


 

 

Spezialisten fürs Fehlersuchen

Von Sophia Freynschlag

Autisten mit Asperger-Syndrom können ihre Genauigkeit im Beruf als Stärke ausspielen
Specialisterne vermittelt Autisten als Fachkräfte an Unternehmen.

 

Lego als Bewerbungstraining: Beim Bauen zeigen sich Konzentrationsfähigkeit und Kreativität. Mit diesen ungewöhnlichen Methoden werden geeignete autistische Bewerber ausgesucht.© Specialisterne

Wien. Akribisch genau Zahlenkolonnen oder Adressdatenbanken zu durchforsten mag auf viele abschreckend wirken – Menschen mit Asperger-Syndrom können hingegen bei diesen Tätigkeiten ihre Stärken ausspielen. „Asperger-Autisten haben spezifische Fähigkeiten, die sich für wiederholende Aufgaben eignen. Sie zeichnen sich durch eine Null-Fehler-Toleranz aus“, sagt Stephan Dorfmeister, Generalsekretär von Specialisterne (dänisch für „Spezialisten“). Das Unternehmen vermittelt Autisten mit Asperger-Syndrom an Firmen und sieht deren spezielle Fähigkeiten als Wettbewerbsvorteil auf dem Arbeitsmarkt. Besonders gut geeignet sind Tätigkeiten, die hohe Genauigkeit erfordern: etwa Usability-Tests für Softwareentwicklung oder Webseiten, die Überprüfung von Daten oder Adressen oder die Analyse von Bilanzen.

Information
Wissen: Autismus

Die sogenannte autistische Störung beginnt in der Regel als Entwicklungsstörung im frühen Kindesalter. Erkrankte Kinder vermeiden zum Beispiel Körper- oder Blickkontakt. Sie verstehen bestimmte soziale Signale wie Lächeln oder Gesten oft nicht und kapseln sich deshalb ab. Sie reagieren auch heftig auf Veränderungen. Stattdessen wiederholen sie häufig Worte oder bestimmte Bewegungen. Das heißt allerdings nicht, dass Autisten automatisch geistig behindert sind. Das Asperger-Syndrom gilt als eine leichte Form des Autismus. Menschen mit dieser Ausprägung sind normal intelligent und entwickeln besondere Fähigkeiten, haben aber häufig wenig Interesse an ihren Mitmenschen.
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Viele Autisten ohne Job
Ihr fehlendes Interesse an sozialer Interaktion steht Autisten bei der Jobsuche häufig im Weg: „80 Prozent der Asperger-Autisten sind arbeitslos. Ihr Lebenslauf besteht meist aus kurzen Beschäftigungsverhältnissen. Viele sind langzeitarbeitslos oder gehen in Frühpension“, sagt Dorfmeister. Von ihrer Umgebung werden Autisten schnell als Freaks abgestempelt. Grüßen müssten sie sich beispielsweise „antrainieren“. „Viele haben Erfahrungen von Ausgrenzung und Mobbing hinter sich“, sagt Dorfmeister, der vor zwei Jahren den Österreich-Ableger der dänischen Initiative gegründet hat.

Die Bewerber werden anhand des Lebenslaufes und eines persönlichen Gesprächs vorausgewählt. Bei der Rekrutierung geht Specialisterne auch ungewöhnliche Wege: Beim Bauen von Lego-Robotern könne man viel über Menschen lernen, etwa ob sie sich an eine Anleitung halten oder davon abweichen, sagt der Geschäftsführer von Specialisterne Deutschland, Matthias Prössl.

Derzeit werden in Österreich acht Teilnehmer in einem Qualifizierungsprogramm fit für den Arbeitsmarkt gemacht. Dazu gehört auch ein einige Monate dauerndes Praktikum. Eine 22-jährige Niederösterreicherin absolviert beispielsweise derzeit ihr Praktikum beim Telekomunternehmen A1 und analysiert vor allem die Tarif-Landschaften des österreichischen Telekommunikationsmarktes. Danach werden die Praktikanten idealerweise als Mitarbeiter – mit Bezahlung nach dem jeweiligen Kollektivvertrag – übernommen. Auch eine Leiharbeit oder eine Projektarbeit auf Tagsatzbasis seien möglich, so Dorfmeister. Meistens werden die Arbeitsverhältnisse für 20 bis 30 Wochenstunden geschlossen.

Von den bisher rund 20 autistischen Bewerbern hierzulande hat Specialisterne die Hälfte vermittelt. Übernommen wurden die Fachkräfte unter anderem vom Pharmakonzern Baxter und vom Medizintechnikunternehmen Euromed, eine Mitarbeiterin ist für die Logistik bei der Heimwerkerkette zuständig. Zwei Bewerber brachen hingegen ab, weil die Integration ins berufliche Umfeld scheiterte. Als langfristiges Ziel hat sich Specialisterne in Österreich gesetzt, innerhalb der nächsten fünf Jahre 100 Arbeitsplätze im Großraum Wien an Autisten zu vermitteln.

Sarkasmus ist fehl am Platz
Bei der Integration ins neue Berufsumfeld sind auch die Kollegen gefragt. Zum richtigen Umgang mit Autisten erhielten die Kollegen bei A1 im Vorfeld Informationen in Workshops und Gesprächen. Viele Autisten haben ihre Erkrankung bisher verheimlicht, deshalb „sollte man mit Autisten offen umgehen“, rät Dorfmeister. Autistische Mitarbeiter brauchen klare Vorgaben zum Ziel und Vorgangsweise für ihre Aufgaben – sie verstehen keinen Sarkasmus und können nicht zwischen den Zeilen lesen. Außerdem sollte der Arbeitsplatz auf Störfaktoren überprüft werden, denn Geräusche, Gerüche und Licht könnten Autisten ablenken. Wenn der neue Mitarbeiter nicht grüßt oder anderen nicht die Hand gibt, sei das nicht unfreundlich gemeint, sagt Dorfmeister.

Unternehmen wie der deutsche Softwarekonzern SAP suchen bereits gezielt Autisten: SAP will in den kommenden Jahren hunderte Autisten zu Softwaretestern und Programmierern ausbilden. Bis 2020 sollen ein Prozent der weltweit zuletzt rund 65.000 Mitarbeiter von SAP Menschen mit autistischer Störung sein, hieß es.